Die Geschichte des Karnevals

Köln, Rosenmontagsumzug auf dem Neumarkt, Simon Meister 1836Heidnische Winteraustreibung, christliches Fest und Verhöhnung der Franzosen – über die vielfältige Geschichte des Karnevals

Gerne wird behauptet, dass hinter den modernen Faschingsveranstaltungen und  Karnevalsumzügen eine ewig lange Tradition steckt, die bis ins heidnische Zeitalter und noch weiter zurückgeht. Zum Beispiel soll einer der Grundgedanken der Karnevalsfeiern – nämlich die Umkehrung der herrschaftlichen Verhältnisse – bereits mit der ersten Hochkultur aufgekommen sein. So wird gerne zitiert, dass im 3. Jahrtausend v. Chr. in Mesopotamien ein siebentägiges Fest gefeiert wurde, bei dem die Sklavin der Herrin gleichgestellt und der Sklave an seines Herren Seite sei. Ähnlich wie später bei den römischen Saturnalien, über die Lukian schreibt: „Es ist mir innerhalb der Saturnalien nicht gestattet, etwas Ernsthaftes oder Wichtiges zu tun, sondern bloß zu trinken, zu lärmen, zu scherzen und Würfel zu spielen, Festkönige zu wählen, die Sklaven zu bewirten, nackend zu singen und mit Ruß bestrichen in einen kalten Brunnen getaucht zu werden“. Klingt ja erstmal recht verlockend und auch der dazugehörige Brauch, sich mit Rosenblättern zu überschütten, erinnert manch einen ans Konfettiwerfen. Aber was war denn nun mit unseren heidnischen Vorfahren? Damals wollten wir angeblich mit fiesen Fratzen und lautem Gebrüll den Winter und/oder die bösen Geister vertreiben, um jetzt mal bitteschön Platz für Frühling und schönes Wetter zu machen. Das ist zwar alles nicht ganz falsch, doch letzten Endes hat weder das eine noch das andere mit dem heutigen närrischen Treiben viel zu tun!

 


Fastnacht – die christlich legitimierte Herrschaft des Teufels

Hofnarr des Königs Carneval, Köln 1823Die moderne Forschung sagt, die Geschichte des Karnevals reicht bei weitem nicht so weit zurück. Schließlich können sich Bräuche nicht spontan neu erfinden, die über mehrere Jahrhunderte ausgesetzt wurden. Die antike Wurzel des Karnevals ist bestenfalls neuzeitliche Hinzudeutung. Die Fastnacht ist – wie der Name bereits andeutet – eine christliche Erfindung, die mit der Einführung der österlichen Fastenzeit einhergeht. Plötzlich wurde den Menschen kurz nach Ende des Winters ein Zeitraum von 40 Tagen vorgesetzt, in dem sie allen weltlichen Genüssen entsagen sollten. Das beschwört ja fast schon notwendigerweise eine Fünfte Jahreszeit herauf! Einerseits wird in fast allen Kulturen mit starkem jahreszeitlichen Wandel das Ende des Winters mit ausgelassenen Feiern begrüßt, zum anderen erzwingt eine Fastenzeit das Aufbrauchen verderblicher Vorräte in der Zeit davor – Alkohol natürlich eingeschlossen (wobei man über die Verderblichkeit von Alkohol zweifelsohne streiten kann)! Wilde und ausschweifende Gelage waren ein Resultat, das der katholischen Kirche erstaunlicherweise gerade recht kam und in ihrem Sinne umgedeutet wurde: die Fastnacht wurde zum “civitas diaboli“, zum Staat des Teufels, geduldet als mahnendes Negativbeispiel voller Sünde und Völlerei. In dieser Zeit, etwa im 14. Jahrhundert, hielt auch der Narr – als Sinnbild für Gottesferne und Nähe zum Teufel – als negative Figur Einzug in die Fastnachtsbräuche. Pünktlich mit dem Aschermittwoch wurde dann die “Herrschaft des Teufels” mit aller Strenge durch den Staat Gottes abgelöst, der nun mit dem reuigen Akt des Fastens gewürdigt wurde.

Niedergang und Verbot des Karnevals

Fasching und Karneval wurden über die Jahrhunderte zu einem weit verbreiteten, öffentlichen Fest, das sich besonders in Mitteleuropa etablierte. Erst die Reformation bereitete dem flächendeckenden, närrischen Treiben ein Ende, denn wo keine Fastenzeit, da auch keine Fastnacht! Vielerorts gerieten zahlreiche Bräuche in Vergessenheit und der Fasching wurde zu einer rein katholischen Veranstaltung, die sich in erster Linie in den Städten behaupten konnte. Vor allem im rheinischen Raum lag es bis zum Ende des 18. Jahrhunderts an den Handwerkszünften, die Form des Karnevals zu bestimmen. So wurden Straßenaufführungen in Verkleidung organisiert, die Schauspiel und Spott miteinander verbanden und gerne vor den Häusern reicher Bürger und Kleriker abgehalten wurden. Doch auch wenn man zünftig feiern konnte, so waren die Zünfte als solches langsam in Auflösung begriffen – und mit ihnen der Straßenkarneval. Zudem traf der Spott auf keine große Gegenliebe bei den französischen Besatzern, die natürlich beliebtes Ziel des Hohns waren, weshalb Napoleon der Geschichte des Karnevals mit rigorosen Verboten ein Ende setzen wollte. Was soll man sagen? Es hat nicht funktioniert! Nach dem Wiener Kongress 1815 (Napoleon war mittlerweile auf die Insel St. Helena verbannt) sollte nicht nur Europa neu geordnet, sondern auch der Karneval reformiert werden, der zwischenzeitlich in den Untergrund (d.h. Kneipen und Wirtshäuser) gegangen war.

Napoleon Bonaparte - kein Freund des KarnevalsEine eher neuzeitliche Interpretation der klassischen Regimentsuniform...Die langen Kerls vom Alten Fritz wären heute eine Zierde jeder Prinzengarde!Das Funkenmariechen läßt sich direkt auf die Kölner Stadtsoldaten zurückführen

Alles auf die E.L.F.!

Der große Maskenzug in Köln 1825 - Jodocus SchlappalAus diesem Anlass gründete sich am 6. November 1822 in Köln das “Festordnende Comitee“, dessen jährliche Hauptversammlung am Montag nach dem vierten Fastensonntag (der seit dem 11. Jahrhundert auch “Rosensonntag” genannt wird) stattfand. Die daher sogenannte “Rosenmontagsgesellschaft” proklamierte im Jahr darauf: „Der in ganz Teutschland einstens so berühmte kölnische Carneval soll durch das Zusammenwirken mehrerer Verehrer alter Volkstümlichkeit in diesem Jahre durch einen allgemeinen Maskenzug erneuert und gefeiert werden“. Der erste Rosenmontagszug mit dem Motto “Thronbesteigung des Helden Carneval” war 1823 so ein durchschlagender Erfolg, dass sich dieses Brauchtum schnell in der gesamten Region durchsetzte und der mittlere Karnevalstag fortan unter dem Namen Rosenmontag bekannt war. Es folgten Düsseldorf (1825), Bonn(1828) und Aachen (1829), die allesamt den Weg der politischen Karikatur einschlugen, was sich in Anti-Militarismus und Franzosenschelte äußerte. So entstanden in der Festungsstadt Mainz und anderswo die Fastnachtsfarben als Abwandlung der französischen Trikolore, während die Uniform der bis heute bestehenden Garden dem preußischen und französischem Militär nachempfunden waren. In Aachen wiederum wurden die Franzosen dadurch verhöhnt, dass die Bürger in Lumpenkostümen, die an die französischen Uniformen erinnerten, vor deren Kasernen auf und ab marschierten. Dabei sangen sie Schmählieder und machten den militärischen Gruß lächerlich, indem sie ihn bewusst falsch ausführten (siehe Narrengruß). Und falls sich schon mal jemand gefragt hat, was es eigentlich mit der “Närrischen 11″ auf sich hat, die sich im 11.11. und als Nummer auf diversen Garde-Mützen wiederfindet: richtig, schon wieder die Franzosen! Die Besatzer trugen die Initialien des Leitspruchs der französischen Revolution auf ihren Uniformmützen, und so wurde kurzerhand aus “Egalité, Liberté, Fraternité” (E.L.F.) zur närrischen 11 des Karnevals.

 

Quelle: wikipedia.de

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